Andrea

 

STECKBRIEF

Alter: 47

Kleidergrösse: 50, variiert je nach Brand

Körpergrösse: 162cm

Nationalität: CH und D

Beruf: Physikerin

 

WIE IST FÜR DICH DER ALLTAG ALS DICKE FRAU?

Ich nehme mich gar nicht als ‚dicke Frau’ wahr. In 90% der Fälle, merke ich das nicht mal. Eventuell ist genau das der Grund, weshalb ich nicht abnehme. Ich versuche, abzunehmen, denn irgendwann mal mit 16, 17, 18 wog ich 75kg. Ich hatte damals schon den Wahn, abnehmen zu müssen, hab viel Sport getrieben. Ab meiner Doktorarbeit hatte ich den Fokus dann auf der Karriere und hab aufgehört, an meine Pfunde zu denken. Bis dahin denke ich, hatte ich das Gewicht noch einigermassen ‚im Griff’, danach liess ich es laufen und ignorierte es. Später, mit dem Jo-Jo-Effekt wurden es dann immer mehr Kilos. Vielleicht hätte ich heute weniger Fleisch auf den Knochen, wenn ich nicht schon als Junge Frau derart fokussiert gewesen wäre auf’s Gewicht.

GABS EINEN PUNKT AN DEM DU DICH ALS DICKE FRAU AKZEPTIEREN KONNTEST?

Nicht bewusst, aber irgendwie schon. Ich habe früher gestottert und DAFÜR ausgelacht zu werden, war viel viel schlimmer, als ein paar Kilos zu viel zu haben. Das stottern habe ich erst vor ca. 6-7 Jahren überwunden. Seither fühle ich mich rundum wohl.

Viel in Bewegung gesetzt hat sich in meinem Leben, als ich meinen Vater gefunden hatte. Er kam aus Venezuela, viele Jahre lang wusste ich nicht, wer er war. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nirgends herkomme. Zu meiner Mutter hatte ich keine Beziehung, sie war psychisch sehr krank und in höchsten Masse unfähig, Kinder zu erziehen. Der extreme Drang, nicht so sein zu wollen wie meine Mutter hat mich dazu getrieben, alles in die guten Schulnoten zu stecken. Da konnte ich wenigstens brillieren. Ich hab mich immer geschämt für sie, so sehr, dass ich sogar meinen Mann heimlich geheiratet hatte. Ich hätte es nicht ertragen, sie am Hochzeitsfest dabei zu haben. Es war das erste grosse Fest, über welches ich selbst bestimmen konnte. Ich habe mich auch immer sehr für meine Mutter geschämt.

Als ich meinen Vater gefunden hatte und er mich herzlich willkommen hiess in seinem Leben, erlebte ich zum ersten Mal was es heisst, bedingungslos angenommen und geliebt zu werden. Er wusste nicht, dass es mich gab und hat sich sehr gefreut, als ich in sein Leben trat. Wir sehen uns auch sehr ähnlich. Ich konnte mir meinen eher südländischen Einschlag nie wirklich erklären, bis ich ihn sah. Ab da veränderte sich meine ganze Sicht aufs Leben und auf mich selbst. Ein Leben lang war ich auf Leistung getrimmt, konnte mich nur akzeptieren, wenn ich gute Leistung erbracht hatte.

Wenn ich meine Kindheit zurückschaue, erinnere ich mich daran, dass ich lange ein Junge sein wollte. Ich hatte nie was am Hut mit dem kokettierenden ‚schön sein wollen’ der Mädchen, der Mode, dem Shoppen, die ganzen Mädchen Gespräche, all das hat mich nie interessiert. Schon als Kind spürte ich instinktiv, dass es Jungs einfacher haben. Ich habe oft und von verschiedener Seite zu hören bekommen: „du bist ja intelligent, brauchst nicht auch noch schön zu sein.“

Die Selbständigkeit, Arbeitsplätze schaffen, das ist mein Traum. Meine Erfindung erfolgreich an den Markt bringen. Aber in erster Linie Arbeitsplätze schaffen!

Dann habe ich auch eine Vision: ich möchte Spuren hinterlassen. Im Sinne von wenn mal jemand auf die Idee kommt, nachzuschauen wer sich diese coole Software ausgedacht hat, wird sie MEINEN Namen finden im Wikipedia.

Und, mit meinem Mann, Harald, zusammen alt werden zu dürfen. Das wäre traumhaft. Ich möchte viel reisen, die Welt sehen, die vielen schönen Orte und Dinge die es auf der Welt gibt. Wenn die Leute ein wenig ruhiger sein könnten und sich die Schönheit unserer Erde bewusstwerden könnten, wäre vieles besser.

 

 

GIB UNS NOCH EIN PAAR POSITIVE GEDANKEN MIT

Die Erde ist so schön. Manchmal sehen wir das nicht, weil wir uns einigeln. Weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Weil es so viel Leid gibt.

Es gibt dieses Bild aus ‚Sofies Welt’ von Jostein Gaardner.

Darin beschreibt er wie ein weißes Kaninchen aus einem leeren Zylinder gezogen wird. Weil es ein sehr großes Kaninchen ist, nimmt dieser Trick viele Milliarden von Jahren in Anspruch. An der Spitze der dünnen Haare werden alle Menschenkinder geboren. Deshalb können sie über die unmögliche Zauberkunst staunen. Aber wenn sie älter werden, kriechen sie immer tiefer in den Kaninchenpelz. Und da bleiben sie. Da unten ist es so gemütlich, dass sie nie mehr wagen, an den dünnen Haaren im Fell wieder nach oåben zu klettern. Nur die Philosophinnen wagen sich auf die gefährliche Reise zu den äußersten Grenzen von Sprache und Dasein. Einige von ihnen gehen unterwegs verloren, aber andere klammern sich an den Kaninchenhaaren fest und rufen den Menschen zu, die tief unten im weichen Fell sitzen und sich mit Speis und Trank den Bauch vollschlagen.

Es lohnt sich, es sich NICHT bequem zu machen im Inneren des Kaninchenfelles, da wo’s kuschlig warm ist und gemütlich. Es lohnt sich, ans äusserste Ende vom Haar zu gehen, sich auf diese Reise zu begeben, da wo’s windet und wo sich alles bewegt. Dann haben wir vielleicht eine Chance, den Zauberer zu sehen, der gerade das Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Wir sind ein ganz kleiner Teil von diesem grossen Ganzen. Es tut uns gut, uns ab und an bewusst zu werden, dass wir winzig sind, kleine Atome im grossen Universum. Wir erhöhen uns dann auch viel weniger über Andere.

Und zuletzt noch der Gedanke an Geburt und Tod. Es lohnt sich nicht, darüber viel Zeit zu verlieren. Wir können es nicht verhindern und kaum beeinflussen. Aber das was dazwischenliegt, das ist das Wichtigste überhaupt, das Leben! Das können wir beeinflussen. Daran sollten wir arbeiten und jedes für sich, das Beste daraus machen.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.