KARIN

STECKBRIEF

Alter: 68

Kleidergrösse: Hosen 50, Oben 52/54

Körpergrösse: 1.67

Nationalität: Deutsch

Beruf: Bleikristallschleiferin, Restaurantbetreiberin

 

WIE IST FÜR DICH DER ALLTAG ALS DICKE FRAU?

Mein Alltag ist problemlos. Mich schränkt meine Kleidergrösse nicht ein. Und soo dick fühl ich mich auch gar nicht. Im Moment lieg ich etwa bei 100 kg.

Als junge Frau bin ich ja immer schlank gewesen. Erst als ich aufgehört habe mit rauchen und auf Süßes umgestiegen bin, ging’s mit dem Gewicht nach oben. Hinzu kamen die Wechseljahre und eine Rücken-OP. Einen starken Busen hatte ich schon immer.

Mit ein paar Kilos weniger würde ich mich schon auch noch wohl fühlen und mein Rücken könnte das vor allem gut vertragen. Aber ich esse gesund und bewege mich recht viel. Bin auch oft mit dem Fahrrad unterwegs, vor allem bei schönem Wetter.

Kleider trage ich keine mehr, nur Hosen. Höchstens mal eines im Sommer, dann aber ein Langes. Ist einfach bequemer. Auf dem einen Bein hab ich unschöne Krampfadern, das sieht in einem Kleid halt auch nicht toll aus. Ich musste früher im Service jahrelang Röcke tragen und finde mich heute nicht mehr so schön in Kleidern. Am liebsten hab ich Leinenhosen oder halt eben Hosen generell.

GABS EINEN PUNKT AN DEM DU DICH ALS DICKE FRAU AKZEPTIEREN KONNTEST?

Als ich zugenommen hatte, habe ich vieles gemacht um das Gewicht wieder runter zu kriegen. Ich war sogar im Sportverein. Da waren aber immer diese Rückenprobleme, die mich dann in der Bewegung eingeschränkt haben. Nach der Rücken-OP gings dann zur Kur und in die Reha. Das Gewicht war ja nicht von heute auf morgen da, das hat sich langsam gesteigert. Ich hab erst dagegen angekämpft, hab Diäten gemacht, war auch bei den Weight Watchers. Zu- und abnehmen, zu und ab, das hat mich geschlaucht. Und genervt. Irgendwann hatte ich genug von diesem ewigen Stress.

Ich werde zusehen, dass es nicht überbordet mit dem Gewicht, ansonsten lebe ich normal. Über Winter wiege ich etwas mehr, im Sommer etwas weniger. Immer über das eigene Gewicht nachdenken, das ist Stress. Der Kopf ist immer mit dem Thema besetzt. Das will ich nicht mehr. Ich esse viel zu gerne um dauernd Kalorien zu zählen. Und ich kasteie mich nicht mehr.

Heute fühle ich mich wohl, so wie ich bin.

 

HAST DU EINEN TRAUM DEN DU DIR NOCH ERFÜLLEN WILLST?

Ach, ich hab so vieles im Leben schon gemacht und gesehen. Ich hab keinen Traum. Mir geht es gut, Kinder und Mann sind gesund. Ich bin viel gereist im Leben, bin immer ein Zugvogel gewesen. Heute mag ich nicht mehr länger als 4 Stunden fliegen.

Ich hatte ein erfülltes und ereignisreiches Leben bis hierher. 1948 in Ostdeutschland geboren und in der Nachkriegszeit als jüngstes von 9 Kindern aufgewachsen, bin ich noch vor der Wende in den Westen gekommen. Die Tochter kam mit, der Sohn wollte bleiben. Der war 18 und hatte gerade seine jetzige Frau kennengelernt. Meine gesamte Familie blieb zurück, Eltern, Geschwister, alle. Diese Geschichte alleine würde wohl ein Buch füllen.

Ich habe viel und hart gearbeitet, hab mir mein Leben schön eingerichtet und mir viele Träume schon erfüllt. Ich wünsch mir noch nicht mal einen 6-er im Lotto. Meine Kinder hatte ich jung; den Sohn mit 18, die Tochter mit 20. Ich war eine junge Mutter und hab mit den Kindern gelebt. Klar, mit 18 das erste Kind zu haben, war nicht einfach aber im Nachhinein habe ich nichts bereut. Ich mache viel mit meiner Tochter, wir sind auch viel zusammen gereist. Ich war immer eher ein Zugvogel und hab das gemacht, was ich wollte. Wenn’s mal nicht so gut gelaufen ist, war ich wenigstens selbst schuld dran. Ich war mehr als einmal verheiratet und mit meinem jetzigen Mann bin ich schon 25 Jahre zusammen. Letzten Endes, ist alles gut gekommen.

GIB UNS NOCH EIN PAAR POSITIVE GEDANKEN MIT

Ich bin grundsätzliche ein positiv denkender Mensch. Wichtig ist, immer nach vorne zu schauen und sich sagen „das schaff ich“. Nicht an sich selbst zweifeln. Und nicht verzweifeln, sondern tief durchatmen und mutig vorwärts gehen.

Mach es dir selber recht, interessier dich nicht für das, was Andere sagen und meinen. Wenn Du Rat brauchst oder eine zweite Meinung einholen willst, ist das ok. Aber tu nichts bloss weil es ‚den Anderen’ gefallen könnte. Gesundes Selbstbewusstsein ist wichtig.

Wichtig für mich war auch immer, Anderen zu helfen, nicht nur an sich selbst zu denken. Denen zur Seite zu stehen, die weniger haben, nicht so stark sind. Dem Leben etwas zurückgeben. Das hat mich auch stärker gemacht.

 

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